Flamenco - ein andalusischer Volkstanz

Flamenco hat seinen Ursprung in Andalusien und vereinigt vereinigt spanische, maurische, mexikanische und auch indische Gebärden. Es ist ein Tanz, der hoheitsvoll, unabhängig und sehr ausdrucksstark wirkt. In Andalusien wird er von Fahrenden oder sesshaft gewordenen Fahrenden, den Gitanos, getanzt und gelebt.

Es gibt 39 verschiedene Arten von Tänzen. Jeder Flamenco-Tanz hat sein Thema, und drückt Ernst, Betroffenheit, Freude, Liebe, Leid, Verehrung oder Klagen aus. Zudem lässt sich der Flamenco in drei Varianten präsentieren: Cante (Gesang), Baile (Tanz), und Guitarra (Gitarrenspiel).

Häufig werden die Zigeuner als die Väter des Flamenco bezeichnet. Aber die Volksmusik und -tänze Andalusiens haben den frühen Flamenco ebenso beeinflußt. Dann gibt es noch zahlreiche weitere Einflüsse, was in einem Land, das durch die Jahrtausende von verschiedenartigsten Zivilisationen und Kulturen beherrscht wurde, keineswegs überraschen wird: die legendären Tartessos lebten hier, und sieben Jahrhunderte maurischer Besetzung haben zwangsläufig ihre Spuren hinterlassen. Sie alle haben, direkt oder indirekt, den Flamenco beeinflußt. Trotz verschiedenster Einflüsse haben die Zigeuner eine bedeutende Rolle in der Entwicklung des Flamencos gespielt.

Die erste Erwähnung dieser Musik in der Literatur finden wir 1774 in den "Cartas Marruecas" des spanischen Autors Cadalso. Ihre Wiege dürfte sich dort befunden haben, wo zwischen 1765 und 1860 in Cadiz, Jerez de la Frontera und in Triana (Sevilla) die ersten Flamenco-Schulen gegründet wurden. In dieser frühen Epoche eroberte der Flamenco seinen festen Platz in den Tanzsälen. Der frühe Flamenco bestand aus Gesang, der nur von rhytmischem Händeklatschen, dem "toque de palma" begleitet wurde. Es waren Komponisten wie Julián Arcas, welche die Gitarre in den Flamenco einzuführten.

In der Goldenen Ära (1869-1910) entwickelte sich der Flamenco in den zahlreichen Musik-Cafés (cafés cantantes) zu seiner definitiven Form. Damals entstanden neben der fröhlichen Tanzmusik auch die sehr ernsthaften Varianten, die tiefe Gefühle ausdrücken (cante jondo). Die Tänzer waren immer noch die Hauptattraktion für das Publikum der "cafés cantantes". Die Gitarristen gewannen immer mehr an Bedeutung.

In der Zeit von 1910 bis 1955 stand die "ópera flamenca" im Mittelpunkt. Sie brachte vor allem leichtere musikalische Kost, wie etwa "fandangos" und "cantes de ida y vuelta", wobei letztere deutliche lateinamerikanische Einflüsse zeigten. Von 1915 an wurden fröhliche Flamenco-Shows organisiert, die auf der ganzen Welt aufgeführt wurden. Diese Entwicklung hatte aber auch Gegner, und 1922 organisierte eine Gruppe von Intellektuellen rund um den Komponisten Falla einen Flamenco-Wettbewerb in Granada, der den authentischen "cante jondo" fördern sollte.

1955 begann eine Art von Flamenco-Renaissance, deren Schlüsselfigur der große Antonio Mairena war. Die führenden Tänzer und Solisten, die sich in den "tablaos", den Nachfolge-Lokalen der frühen "cafés cantantes", einen Namen gemacht hatten, traten von jetzt an in den großen Theatern und Konzerthäusern auf. Das Gitarrenspiel erreichte künstlerisch und in seiner Popularität einen Höhepunkt.

Der heutige Flamenco zeigt häufig Einflüsse anderer Musikrichtungen, etwa Jazz, Salsa, Bossa Nova und andere. Auch der Tanz hat sich gewandelt, vor allem die Tänzerinnen stellen vermehrt eher ihr Temperament als ihre Tanzkunst in den Mittelpunkt. Das Gitarrenspiel, das früher nur der Begleitung von Sängern und Tänzern gedient hatte, entwickelte sich zu einer eigenständigen Kunstform. Dabei spielte der große Virtuose Paco de Lucia eine Schlüsselrolle.

Die Massenmedien haben den Flamenco in die Welt hinausgetragen. Aber in Wirklichkeit war er aber stets (und wird es wohl auch bleiben) eine Musikform für eine kleine Gruppe von Interessierten. Authentischen Flamenco erlebt man vor allem während einer "Juerga" im südlichen Spanien, in einer kleinen Gruppe von Musikern und Freunden: dann scheint die ganze Welt aus dem Gesang, der Gitarre und dem Körper der Tänzerin zu bestehen.